Das war CB-Funk

Immer wieder finde ich im Internet spannende Dinge aus den 70er-Jahren.
Damals 1977 war ich 12 Jahre alt und bei Facebook habe ich eine ähnliche
Geschichte gefunden, was mich damals so in den Bann gezogen hat.
Worum geht es? Es geht um CB-Funk. Viele werden es nicht kennen, längst
haben Handy bzw. Smartphone und das Internet unser Kommunikations–
mittel von damals verdrängt.

Und man soll es nicht glauben, ich habe seit Jahren wieder ein Funkgerät
in meinem Auto. Lange ist nicht so viel los wie damals aber ich kann mich
auch heute der Faszination nicht entziehen. Im Gegensatz zu Volker Knies
habe ich nicht den Aufstieg zu dem Amateurfunkern gemacht. So wirklich
weiß ich nicht warum.

Die Bilder und den Text hat mit Volker Knies zur Verfügung gestellt. Mehr
findet ihr in seiner Facebook-Gruppe: www.facebook.com/daswarcbfunk

Jetzt aber zu der schönen Geschichte:

Samstags abends 1974 gab´s nichts wichtigeres als Daktari schauen. Die Aben-
teuer von Dr. Tracy und seinen Mitarbeitern in der Tierstation mitten im Busch.
Als 10-jähriger gab’s nichts spannenderes. Aber was war das? Mitten im Busch
holte Paula das Funkgerät raus, zog die Antenne aus und hat in der Löwengrube
nach Hilfe gerufen. Dass Judy der Schimpanse ganz zufällig am anderen Funk-
gerät gelauscht und Hilfe gerufen hat war der Oberhammer. Also so ein Funk-
gerät musste ich auch haben.

Aber überall wo ich geschaut habe bin ich nicht fündig geworden. In keinem
Geschäft gab es Funkgeräte. Ein Jahr später war es soweit, im Quelle Katalog
gab es Funkgeräte zu kaufen. Mehr als 100 Mark je Stück. Aber was sollte ich
mit einem Gerät anfangen. Also hab ich Bernd scharf gemacht. Wir müssen un-
bedingt jeder ein Funkgerät kaufen, dann könnten wir bei schlechtem Wetter
vom Kinderzimmer aus miteinander sprechen.

Mutter überredet und pünktlich zu Weihnachten 1975 waren Bernd und ich
stolzer Besitzer einer Universum HF12. Das war das schönste Weihnachtsfest
bisher. Bis zum 6. Januar sind wir durch die Straßen gezogen, haben gefunkt
so viel und so weit wie es nur ging. Abends im Kinderzimmer bis spät in die
Nacht.

Aber wir waren nicht alleine. Außer uns haben noch mehr Jugendliche Funk-
geräte
zu Weihnachten geschenkt bekommen. Wir haben uns getroffen und
ausgetauscht,
erfahren, dass es 12 Kanäle gibt und viele andere Funker auf
anderen Kanälen sind.
Dass man Funker erkennt an den langen Antennen
auf den Häusern und an den
Antennen mit Spulen auf dem Auto.

So haben wir nach und nach alle Funker bei uns um Vorort gefunden und
ständig
kamen neue hinzu. Ständig neue Batterien, Quarze für andere Kanäle
und neue
Antennen waren an der Tagesordnung. Eine eigene Geheimsprache
haben wir uns
entwickelt, damit keiner etwas mit unseren verschlüsselten
Nachrichten anfangen
konnte. Bernd hat nach paar Wochen die Lust verloren,
bei mir hat der Funkvirus
voll zugeschlagen. Funkertreffen, Fuchsjagden, ständig
neue Geräte. Ich hab tausende
neue Leute kennengelernt und obwohl ich erst 12,
13 und 14 war. Ich war ein Funker.
Alle haben das anerkannt. Ich war Funker,
genauso gleichberechtigt wie alle Funker
mit 30, 50 oder 70 Jahren.

Mit allen war ich per Du, wir kannten nur unsere Funkernamen und manchmal
die Vornamen. Nachnamen wurden nie genannt. Täglich hab
ich neue Funker
besucht, manche in Baracken, andere in Villen es waren immer Funker.
Ich hab
alles durchgemacht, 23 und 40 Kanalgeräte, Brenner, V-Mikes, Mobilgerät auf

dem Fahrrad, Weltempfänger, Scanner, C-Lizenz, A-Lizenz, B-Lizenz.

Heute bin auch ich ein alter Hase und vermisse die 11-jährigen mit dem Funkvirus
infizierten jungen Menschen, so wie ich mal einer war, die voller Tatendrang und
ganz
spontan vor der Haustür stehen und fragen ob ich Funker bin.

Text und Bilder von Volker Knies
Das war CB-Funk www.facebook.com/daswarcbfunk